{"id":367,"date":"2024-06-09T16:43:06","date_gmt":"2024-06-09T14:43:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/?p=367"},"modified":"2024-06-14T17:48:03","modified_gmt":"2024-06-14T15:48:03","slug":"altes-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/altes-schloss\/","title":{"rendered":"Altes Schlo\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p><em>F\u00fcr den heutigen Besucher ist ein \u201eFlak\u201c &#8211; Bunker aus dem 2. Weltkrieg unmittelbar davor die einzige Orientierung. Das sogenannte \u201eAlte Schloss\u201c liegt auf einem Bergsporn gegen\u00fcber der Bleiloch-Sperrmauer. Zur Ebene hin sind Reste eines Walles und eines Grabens sichtbar. Mit einiger Phantasie sind dahinter zwei m\u00f6gliche Geb\u00e4udegrundrisse von ca. 6x6m auszumachen. Der Begriff \u201eSchloss\u201c ist stark \u00fcbertrieben, denn der vorhandene Platz ist gering. Im Jahre 1825 hei\u00dft es in einer \u201eBeschreibung des Vogtlandes\u201c dazu: \u201e&#8230;eine Befestigung, die durch einen von Hang zu Hang reichenden, 65 Schritt langen, 10 Fu\u00df breiten, in der Mitte noch 4 Fu\u00df tiefen Graben von dahinterliegendem Gel\u00e4nde abgetrennt ist. Funde sind nicht bekannt.\u201c (ca. 40m lang, 3m breit, 1,2m tief). Heute ist nat\u00fcrlich noch weniger zu sehen. Einige R\u00f6ppischer haben dort auch mehr oder weniger heimlich gegraben, z. B. halboffiziell 1940, aber es wurde nichts gefunden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Leider gibt es keine verl\u00e4sslichen Angaben \u00fcber den Ursprung des \u201eAlten Schlosses\u201c. Im Jahre 1071 streift eine Beschreibung der \u201eS\u00fcdgrenze des Orlagaus\u201c unsere Gegend. Hier hei\u00dft es auszugsweise und den Realit\u00e4ten angepasst: D\u00f6britz- Metschawa (Daumitsch?)-E\u00dfbach-Einm\u00fcndung der Wisenta in die Saale (Walsburg)-diese aufw\u00e4rts bis zur Einm\u00fcndung des Baches von Retzsch\/Reuz \/R\u00f6ppisch (unterhalb des \u201eAlten Schlosses\u201c) -ein weiteres B\u00e4chlein aufw\u00e4rts und weiter bis Eliasbrunn &#8211; . Um das Jahr 1200 fassen die Herren von Lobdeburg hier Fu\u00df und errichten mit der Saal-Burg ihr neues Machtzentrum. Weder in diesen beiden F\u00e4llen noch in den Unterlagen des um 1310 gegr\u00fcndeten Klosters wird das \u201eAlte Schloss\u201c erw\u00e4hnt. Seine Entstehung und das Ende fallen demzufolge in eine \u00e4ltere Zeit, vermutlich in das 9.\/10. Jahrhundert. Lediglich eine Sage \u2013 abgedruckt im \u201eSchatz unter dem Stelzenbaum\u201c von G. Wachter \u2013 fabuliert dar\u00fcber.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Tats\u00e4chlich weist der gew\u00e4hlte Standort auf eine milit\u00e4rische Funktion hin. Die Sicht in das weite Saaletal, in das Wetteratal und entlang des Retzschbaches \u2013 heute alles Stausee \u2013 ist ideal. Der Schwerpunkt lag offensichtlich auf der Sicherung der weit und breit bequemsten Saalefurt kurz vor dem Eintritt der Saale in ihr schwer passierbares Felsental. Dort befindet sich nicht von ungef\u00e4hr die jetzige Staumauer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Seit Karl dem Gro\u00dfen galt ab 805 die Saale \u00fcber weite Strecken als politisch-milit\u00e4rische Ostgrenze des Frankenreiches, aber nicht als Siedlungsgrenze. Westlich der Saale siedelnde Sorbengruppen waren voll integriert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach der Reichsteilung im Jahre 843 entstand das Ostfrankenreich, aber die \u00f6stlichen Sorben und B\u00f6hmen nutzten diese Schw\u00e4chephase zu vermehrten \u00dcberf\u00e4llen aus. Daher wurde 849 die Sicherung der Sorbengrenze durch den \u201eLimes sorabicus\u201c organisiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dazu wurden die Saale aufw\u00e4rts kleine Grenzburgen errichtet. Sie bestanden meist nur aus einem Wachturm mit Wirtschaftsgeb\u00e4ude in Holz-Erde-Bauweise; gesichert durch Graben, Wall und Palisade. Die Besatzungen waren klein und dienten eher der Beobachtung und Vorwarnung. Daher liegt es nahe, dass die sorbische Siedlungskammer mit P\u00f6ritzsch, Zoppoten, R\u00f6ppisch, Friesau und Unterlemnitz planm\u00e4\u00dfig angelegt wurde; sozusagen zur Versorgung und R\u00fcckendeckung. Der befestigte Rundling R\u00f6ppisch lag am n\u00e4chsten dahinter und zudem an der wahrscheinlichen Zufahrt zum \u201eAlten Schloss\u201c. Als Nachbaranlage d\u00fcrfte<\/em><em>die Walsburg an der Einm\u00fcndung &nbsp;der Wisenta in die Saale anzusehen sein. Auch hier befindet sich eine g\u00fcnstige Furt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Raum Saalfeld befand sich das n\u00e4chste fr\u00e4nkisch-fr\u00fchdeutsche Machtzentrum dieser Zeit. Hier hatten die Markherz\u00f6ge des \u201eLimes sorabicus\u201c einen St\u00fctzpunkt. Wollten oder mussten diese gegen die Sorben oder B\u00f6hmen ziehen, bot sich als eine der Marschstrecken die \u00fcber Rauschengesees \/ Gahma \u2013 Eliasbrunn &#8211; Friesau &#8211; an R\u00f6ppisch vorbei (\u201eAlter Weg\u201c) \u2013 der Tallinie folgend bis zur o. g. Furt durch die Saale an. Unter dem Schutz des \u201eAlten Schlosses\u201c wurde die Grenze nach Osten passiert. Nicht zuf\u00e4llig folgten erste christliche Missionare von Saalfeld aus sp\u00e4ter dieser Strecke. Eliasbrunn und Friesau werden dabei genannt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber die <strong>Markherz\u00f6ge <\/strong>gibt es konkrete Nachrichten, auch wenn genaue Ortsangaben selten sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>849 \u2013 873&nbsp;&nbsp; Tachulf; spricht sorbisch; wird 861 im Besitz des L\u00e4ndchens \u201eSarowe\u201c = Syrau best\u00e4tigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>873 \u2013 877&nbsp;&nbsp; Radulf; gegen Sorben gefallen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>877 \u2013 892&nbsp;&nbsp; Poppo; als 880 \u00f6stliche Sorben reichstreue Sorben an der Saale \u00fcberfallen, \u201eschl\u00e4gt er diese schwer\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>893 \u2013 897&nbsp;&nbsp; Conrad; Ungarneinf\u00e4lle beginnen; Sorben trifft es zuerst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>897 \u2013 908&nbsp;&nbsp; Burchardt; f\u00e4llt am 03.August 908 bei Saalfeld gegen die Ungarn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Funktion wird nicht mehr besetzt, Chaos entsteht. Ab 912 nimmt sich der m\u00e4chtige Sachsenherzog Otto selbst dieser Grenze an. Dessen Sohn Heinrich wird bekanntlich 919 zum 1. Deutschen K\u00f6nig gew\u00e4hlt. Ihm gelingt 929 die Eingliederung der Sorben bis zur Elbe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Burg Mei\u00dfen wird gegr\u00fcndet. Zur Ungarnabwehr verst\u00e4rkt er u. a. den Burgenbau; ein Schwerpunkt blieb dabei die Saalelinie. In den Jahren 933 (Unstrut) und 955 (Lechfeld) wird die Ungarngefahr gebannt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Danach verliert die Saalelinie ihre Grenzfunktion und unser Gebiet wird Hinterland. Es geh\u00f6rt ab 965 zur neu gegr\u00fcndeten Mark Zeitz. Das \u201eAlte Schloss\u201c wird aufgegeben und verf\u00e4llt. Nach der Aufl\u00f6sung der Mark Zeitz um 1150 vergab der Kaiser das Oberland an Ministeriale.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dazu z\u00e4hlten die o. g. genannten Lobdeburger, Stammsitz Jena- Lobeda.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier noch einmal zur Erinnerung Passagen aus der Sage \u00fcber den Untergang des \u201eAlten Schlosses\u201c nach G\u00fcnter Wachter in seinem Buch <strong>\u201eSchatz unter dem Stelzenbaum\u201c:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEinmal aber trat auf der Burg Hohndorf ein Ritter die Herrschaft an, der von Jugend an gemein war, f\u00fcr die Bauern nur Verachtung \u00fcbrig hatte und ein lasterhaftes Leben f\u00fchrte. Begegnete er einem, der ihm nicht gleich aus dem Wege ging, so schlug er ihn mit seiner Reitpeitsche ins Gesicht oder hetzte seine Hunde auf ihn. Zudem hielt er sich ein Weib, von dem die Bauern erz\u00e4hlten, es w\u00e4re ein der Zauberei m\u00e4chtiges Waldweibchen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als nun in einem Jahr eine gro\u00dfe D\u00fcrre \u00fcber das Land kam und ein Jahr darauf ein verheerender Hagelschlag die gesamte Ernte vernichtete, gaben die Bauern die Schuld an diesem Unheil dem Burgherrn mit seinem s\u00fcndhaften Leben, und sie beschlossen insgeheim, bei g\u00fcnstiger Gelegenheit ihn und sein Zauberweib zu t\u00f6ten. Da sie dann einmal von den Knechten erfuhren, dass der Herr wieder einmal von dem vielen schweren Wein betrunken w\u00e4re, sahen sie ihre Stunde gekommen. Die von ihrem Herrn misshandelten Knechte schlossen sich den Bauern an, \u00f6ffneten die Tore, und gemeinsam drangen sie in die Burg ein. Sie fanden den grausamen Herrn auch in voller Trunkenheit bei seinem b\u00f6sen Weibe. Als dieses aber sah, dass es den Bauern und Knechten ernst war und es kein Entrinnen mehr gab, zog sie einen Dolch, mit dem sie zuerst ihren Gemahl und dann sich selbst erstach. Dabei verfluchte und verw\u00fcnschte sie tausendfach Schloss und Burg.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sagen haben in der Regel einen realen Kern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier k\u00f6nnte es so gewesen sein, dass mit dem Wegfall der Grenzfunktion der Saalelinie im 10. Jh. die Besatzung statt die D\u00f6rfer zu sch\u00fctzen nun zu einer Belastung derselben wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"745\" src=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-1024x745.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-398\" srcset=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-1024x745.jpeg 1024w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-300x218.jpeg 300w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-768x558.jpeg 768w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-1536x1117.jpeg 1536w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Altes-Schloss-2048x1489.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leider gibt es keine verl\u00e4sslichen Angaben \u00fcber den Ursprung des \u201eAlten Schlosses\u201c. 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