{"id":371,"date":"2024-06-09T16:21:08","date_gmt":"2024-06-09T14:21:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/?p=371"},"modified":"2024-06-14T17:56:29","modified_gmt":"2024-06-14T15:56:29","slug":"entwicklung-der-machtverhaeltnisse-ab-dem-10-jh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/entwicklung-der-machtverhaeltnisse-ab-dem-10-jh\/","title":{"rendered":"Entwicklung der Machtverh\u00e4ltnisse ab dem 10. Jh."},"content":{"rendered":"\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <u>Markgrafen Lobdeburger&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; Reu\u00dfen<\/u><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In altdeutscher Zeit wurden an gef\u00e4hrdeten Grenzen \u201eMarken\u201c eingerichtet. Der K\u00f6nig\/Kaiser setzte \u201eMarkgrafen\u201c zur Sicherung der Grenzen und ggf. zu deren Vorverlegung ein. Diese hatten gro\u00dfe Vollmachten; sie konnten das Heer aufbieten = \u201eHeerbann\u201c. Im Jahre 965 teilte Kaiser Otto der I. die gro\u00dfe Mark des Grafen Gero in 4 kleinere auf. Unsere Gegend bildete nunmehr den s\u00fcdlichen Zipfel der \u201eMark Zeitz\u201c; der erste Markgraf war Wigger.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 968 best\u00e4tigte der Papst das zugeh\u00f6rige Bistum Zeitz\/Naumburg zur Christianisierung der Bev\u00f6lkerung dieses Landes.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nachbargebiete waren Saalfeld, Merseburg, Mei\u00dfen und Bamberg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber l\u00e4ngere Zeit lag das Markgrafenamt von Zeitz in den H\u00e4nden derer von Groitzsch &#8211; Stammburg n\u00f6rdlich von Zeitz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese hatten sorbische Wurzeln und trugen den Leitnamen Wiprecht. Einer besa\u00df um 1100 viele 100 Zinsbauern in einem \u201eButsin-Gau\u201c der vermutlich im Oberland lag. Zur Machtaus\u00fcbung zog er Vertreter des niederen Adels heran. So k\u00e4mpfte 1115 ein \u201eRuzze von Plauen\u201c an seiner Seite.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Jahre 1136 sterben die von Groitzsch im Mannesstamm aus. Der Kaiser besetzt diesen Posten nicht neu, da die Grenzfunktion ohnehin nicht mehr gegeben war. Die Mark Zeitz wird schrittweise bis 1180 aufgel\u00f6st. Die \u00f6stlichen Teile gehen an die Wettiner in der Mark Mei\u00dfen (ab 1423 auch Sachsen genannt). Den Landstreifen beiderseits der Elster von Asch bis Gera erhalten die V\u00f6gte von Weida um 1160 von Kaiser Barbarossa als Reichslehen (ab 1343 auch Vogtland genannt). Mit dem restlichen Gebiet, zwischen den V\u00f6gten und dem Th\u00fcringer Altsiedelland werden die Lobdeburger belehnt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese alle hatten die Aufgabe, im zumeist vom Sorben bewohnten Gebiet die deutsche Feudalordnung und die katholische Kirchenorganisation l\u00fcckenlos und endg\u00fcltig durchzusetzen. Dieser Prozess verlief nicht ohne Probleme. So klagen z. B. die M\u00f6nche von Saalfeld um 1100 \u201e&#8230; durch Auflegen des Zehnten brachte der Bischof das halbheidnische, rohe und des christlichen Glaubens fast unkundige Volk gegen sich auf&#8230;.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In den Jahrzehnten nach 1100 wurden massiv Bauern aus dem deutschen Altsiedelland (Franken, Th\u00fcringen) angesiedelt. Erst ab dieser Zeit verbessert sich f\u00fcr uns heute die Quellenlage, vor allem durch eine klare Zuordnung des feudalen Landbesitzes.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Vollst\u00e4ndigkeit wegen muss hier deutlich gemacht werden, dass das Bistum Zeitz\/Naumburg noch bis einschlie\u00dflich der Reformationszeit um 1534 aktiv war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine herausragende Rolle spielte das im Jahre 1114 gegr\u00fcndete Kloster Bosau bei Zeitz f\u00fcr die Christianisierung und Landesverwaltung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Lobdeburger<\/h1>\n\n\n\n<p><em>kamen im 12. Jh. als Reichministeriale nach Th\u00fcringen. Ihr Stammsitz war Auhausen an der W\u00f6rnitz in Franken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Jahre 1166 wird die namensgebende Lobdeburg bei Jena erw\u00e4hnt. Sie spalten sich bald in weitere Linien auf. Die Linie Lobdeburg-Arnshaugk bei Neustadt\/Orla war bereits bis Ziegenr\u00fcck aktiv und erhielt 1204 das Oberland um das heutige Lobenstein, Saalburg und Schleiz als Reichslehen. Das war der s\u00fcdliche Ausl\u00e4ufer der ehemaligen Mark Zeitz. Hier war bis zur v\u00f6lligen Integration in den deutschen Feudalstaat noch viel zu tun. Die Lobdeburger standen in hohem Ansehen und meisterten ihre Aufgaben erfolgreich. Sie stellten sogar von 1207-23 und von 1225-54 den Bischof von W\u00fcrzburg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zuerst errichteten sie die Burg Saalburg (bis 1216) als ihr \u00f6rtliches Machtzentrum und schon 1222 wird der Ort erw\u00e4hnt. Die Weihe der Kirche von Kulm im Jahre 1223 wird als ein Abschluss der Kirchenorganisation angesehen. Ihr Gefolge gr\u00fcndete die sp\u00e4teren Ritterg\u00fcter in der Umgebung. Bei der Besiedlung wird zum Teil \u00fcber das Ziel hinaus geschossen, so dass alleine die Gro\u00dfpfarrei Tanna bald neben 11 Orten noch 6 W\u00fcstungen aufweist. Aus dem Ortsnamen Lobenstein (1250 erste Urkunde) sind die Lobdeburger unschwer herauszuh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Jahre 1240 wird ein \u201eTerritorium Saalburg\u201c erw\u00e4hnt. Dieses d\u00fcrfte sich in der 1501 \u00fcberlieferten \u201ePflege Saalburg\u201c (Gerichtsbezirk) widerspiegeln. Hierzu geh\u00f6rten etliche D\u00f6rfer im Umkreis der Stadt, u.a. R\u00f6ppisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kaum hatte sich eine eigene Linie Saalburg (inkl. Lobenstein) etabliert, starb sie um 1240 wieder aus. Offiziell fiel damit das Reichslehen an den Kaiser zur\u00fcck, der es dem Landgrafen von Th\u00fcringen zusprach. Aber die Herren von Gera (V\u00f6gte, Reu\u00dfen) hatten durch Verschw\u00e4gerungen mit den Lobdeburgern bereits Anspr\u00fcche erworben. Heinrich der I. von Gera besa\u00df 1246 Teile des Oberlandes von Nordhalben aus und hatte durch seine Frau Leukarda von Lobdeburg-Pausa (1254) Anspr\u00fcche auf Lobenstein, Saalburg, Tanna, Stelzen, M\u00fchltroff und Pausa. Nach anderen Quellen soll auch Geld an die Wettiner geflossen sein. Jedenfalls \u00fcbernehmen die V\u00f6gte 1276\/78 Lobenstein und stellen 1279 eine erste Urkunde in Tanna aus. Die V\u00f6gte und Lobdeburger konkurrieren im Oberland. Otto von Arnshaugk \u00fcbertr\u00e4gt 1284 dem \u201eDeutschen Orden\u201c das Kirchenpatronat zu Schleiz und Heinrich der I. von Gera dasselbe f\u00fcr Tanna.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Den Lobdeburgern von Arnshaugk verbleibt nur noch Schleiz und Burgk im Oberland. Zu ihrem weiteren Besitz geh\u00f6ren Neustadt, P\u00f6\u00dfneck, Ranis, Auma, Triptis und Ziegenr\u00fcck. Otto von Arnshaugk verstirbt 1289; kurz danach sein Sohn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Jetzt sehen die Herren von Gera ihre Chance. Nur noch Schleiz und Burgk fehlen zwischen ihrem Stammland an der Elster und dem neu gewonnenen Oberland.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Wettiner (Albrecht der Entartete) verwaltete nach 1289 den Arnshaugkschen Besitz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Der erste Vogtl\u00e4ndische Krieg, auch Bruderkrieg genannt<\/h1>\n\n\n\n<p>Als dieser Albrecht 1314 stirbt, kommt es zum offenen Kampf um das Schleizer Gebiet. Dieses hatten die V\u00f6gte von Gera bereits vorher besetzt. Dagegen entstand eine m\u00e4chtige Koalition: Markgraf von Mei\u00dfen, Burggraf von N\u00fcrnberg, Bischof von Bamberg und die Reu\u00dfen zu Greiz.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Deren Ziel war die Eroberung von Gera und Schleiz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die erste Phase des Krieges scheint im Raum Schleiz stattgefunden zu haben, gro\u00dfe Verw\u00fcstungen werden vermeldet. Einige w\u00fcste Orte sind vielleicht darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die K\u00e4mpfe dauern bis 1316 an. Hinzu kommt nach einer Missernte 1315 eine verheerende Hungersnot in den Jahren 1315\/16, die zu einer allgemeinen Ermattung f\u00fchrten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Durch Vermittlung des deutschen K\u00f6nigs Ludwig kommt es am 6.1.1317 in Wei\u00dfenfels zum Ausgleich und Waffenstillstand. Die V\u00f6gte von Gera m\u00fcssen das heute Bayrische Vogtland abtreten, Verzicht im Plei\u00dfner Land \u00fcben, die Oberhoheit des Markgrafen von Mei\u00dfen anerkennen und diesem bei Bedarf 50 Ritter stellen. Ansonsten wird den V\u00f6gten ihr Besitz im Oberland inklusive Schleiz belassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Jetzt stehen den V\u00f6gten nur noch Albrecht und Hermann von Lobdeburg-Leuchtenburg gegen\u00fcber, die auf Schleiz und Burgk nicht verzichten wollen. Sie sammeln 1320 ihre Kr\u00e4fte bei Kahla und ziehen gegen die V\u00f6gte, aber unterliegen. Dieser Endkampf k\u00f6nnte um die Wysburg &#8211; eine Befestigung der Lobdeburger &#8211; herum stattgefunden haben. Das Beinhaus in Altenbeuthen und dendrochronologische Untersuchungen von Bauholz auf der Wysburg &#8211; letzter Holzeinschlag 1320 &#8211; d\u00fcrften Hinweise darauf sein. Im gleichen Jahr wird auf der Leuchtenburg ein Friedensvertrag zwischen beiden abgeschlossen und alle Gefangenen ausgetauscht; \u201eV\u00f6gte und Lobdeburger vertragen sich wieder.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Damit haben die V\u00f6gte ihren Besitz im Oberland abgerundet und gesichert. Sie bem\u00fchen sich eifrig um dessen Aufbau und Entwicklung. Eine besondere Zuwendung erf\u00e4hrt das neue Nonnenkloster bei Saalburg. Offensichtlich werden treue Mitstreiter gef\u00f6rdert, z.B. haben die von Machwitz danach umfangreiche Lehen in Unter-Zoppoten, R\u00f6ppisch, Remptendorf und Gr\u00e4fenwarth, andere dagegen, wie Poppo K\u00fcnzel von Weisbach (Wysburg), werden zur Kasse gebeten bzw. Friedrich von Kulm stiftet gleich seinen Besitz 1318 dem Kloster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der interfamili\u00e4re Streit mit den Reu\u00dfen von Greiz wird sp\u00e4ter gekl\u00e4rt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Anmerkung zum o.g. Beinhaus in Altenbeuthen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Untersuchungen der Universit\u00e4t Jena sollen ergeben haben, dass die Toten keine Hiesigen waren. Es k\u00f6nnte sich um Angeh\u00f6rige fremder Truppen gehandelt haben, die an den K\u00e4mpfen von 1314-1320 beteiligt waren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Markgrafen Lobdeburger&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; Reu\u00dfen In altdeutscher Zeit wurden an gef\u00e4hrdeten Grenzen \u201eMarken\u201c eingerichtet. Der K\u00f6nig\/Kaiser setzte \u201eMarkgrafen\u201c zur Sicherung der Grenzen und ggf. zu deren Vorverlegung ein. 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