{"id":377,"date":"2024-06-09T16:27:53","date_gmt":"2024-06-09T14:27:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/?p=377"},"modified":"2024-06-21T13:56:02","modified_gmt":"2024-06-21T11:56:02","slug":"nonnenkloster-zum-heiligen-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/nonnenkloster-zum-heiligen-kreuz\/","title":{"rendered":"Nonnenkloster zum Heiligen Kreuz"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute sind nur noch geringe Mauerreste des Klosters zu sehen, aber selbst diese lassen einen respektablen Steinbau erahnen. Das Kloster lag \u00f6stlich der Saale am Fu\u00dfe des Kulmberges und grenzte mit seinem Besitz an die Gemarkung R\u00f6ppisch. Es besa\u00df Land im Flurteil Hohndorf mit den Bezeichnungen \u201eK\u00f6sperleithe\u201c, \u201eKlosterleithe\u201c, \u201eFrankental\u201c, \u201eAltes Schloss\u201c und \u201eFrauenwiesel\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem schenkten die Herren von Gera im Jahre 1325 dem Kloster 4 \u00bd Zinsbauern aus R\u00f6ppisch. Hier hei\u00dft es im Original: \u201e&#8230; In Reuz 4 \u00bd Mansen bezahlen 2 \u00bc Mark, diese (H\u00f6fe) bewirtschaften Albert Wibel, Hermann vorn Richzen, Conrad sein Bruder und der Hirte. Ebenso hat zuvor einer von Draxdorf dem Kloster eine Manse geschenkt&#8230;\u201c (2 \u00bc Mark\u00a0 waren ca. 500 gr. Silber.) Sp\u00e4ter kamen weitere Abgaben hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Bauern behielten ihren Status als Kloster &#8211; sp\u00e4ter Pfarrbauern bis zum Ende der Feudalzeit um 1850. Es sind dies die heutigen Haus Nr. 1-3 und 6-8 in R\u00f6ppisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Als 1356 zwei Br\u00fcder von Draxdorf dem Kloster einen dritten Altar stifteten, wurden 13 Zinsleuten aus R\u00f6ppisch von den j\u00e4hrlichen Kosten 1 Mark, 5 \u00bc Pfund Wachs und verschiedene Naturalien aufgeb\u00fcrdet. Vermutlich waren das alle ihre Lehnbauern in R\u00f6ppisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Baubeginn des Klosters war kurz nach 1300. Beendet wurde der Bau um 1318. Da aber schon 1311 erste Ablassbriefe nachweisbar sind, d\u00fcrfte es bereits mit ersten Kr\u00e4ften gearbeitet haben. Das Nonnenkloster hatte mit dem Landesausbau nichts mehr zu tun. Es diente vielmehr der Versorgung \u201e\u00fcberz\u00e4hliger\u201c T\u00f6chter des hiesigen niederen Adels. Diese konnten sich hier \u201eeinkaufen\u201c. Standesunterschiede wirkten entgegen der eigentlichen Regeln innerhalb des Klosters weiter. Vorgesehen waren offensichtlich Prior oder Priorin, drei Geistliche und rund 20 Nonnen. Der zust\u00e4ndige Bischof von Naumburg beauftragte den Abt des M\u00f6nchsklosters Bosau bei Zeitz (gegr\u00fcndet 1114) mit der Oberaufsicht. Dazu machte der Abt j\u00e4hrlich eine Visitation von einer Woche Dauer. Das Klostergut musste ihn mit einem Pferdegespann holen. Er blieb 3 Tage, besichtigte das Kloster und befragte die Insassen. Dabei erfuhr er alles, denn die Nonnen beschwerten\u00a0 sich heftig \u00fcbereinander. Der Abt traf seine Festlegungen und wurde wieder nach Zeitz gefahren. Die Handelsstra\u00dfe N\u00fcrnberg &#8211; Leipzig f\u00fchrte unmittelbar vorbei. Zum Kloster geh\u00f6rte das Klostergut mit 14 weltlichen Personen. Dorthin hatten die Klosterbauern ihre Abgaben zu liefern bzw. war dort die Fronarbeit zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele anderer Stiftungen:<\/p>\n\n\n\n<p>1318 Das Kloster erh\u00e4lt eine M\u00fchle an der Saale<\/p>\n\n\n\n<p>1318 Die V\u00f6gte vergeben rund 20 ha Wald am Kulm und die Fischereirechte in der Saale von der M\u00fchle bis zum Retzschbach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirtschaftliche Grundlagen des Klosters:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Eigengut des Klosters (Stand von 1531)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Gut war von der \u201eBede\u201c, derLandessteuer, befreit. Hier arbeiteten 14 weltliche Personen, ein Hofmeister, ein Fischer, 12 M\u00e4gde und Knechte.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Fl\u00e4chen lagen um das Kloster herum, aber auch in Gr\u00e4fenwarth und \u201eauf dem Hohndorf\u201c. Dort wird ein \u201eHaferfeld\u201c von \u00fcber 3 ha genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Viehhaltung umfasste 36 bis 40 K\u00fche, 30 bis 40 Schweine, Gefl\u00fcgel, 8 Wagenpferde und 1 Reitpferd. Eine Schafherde von 350 bis 450 \u201eN\u00f6\u00dfern\u201c steht in Gr\u00e4fenwarth.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df der Dreifelderwirtschaft kennt man \u201eDungfeld\u201c (f\u00fcr Weizen, Gerste und Roggen), \u201eHaferfeld\u201c und \u201eBrachfeld\u201c. Die Saisonarbeiten, besonders das Ackern und M\u00e4hen, hatten vorrangig die Untertanen in Fronarbeit zu leisten. So standen dem Gut 175 Tage Pferdefron zum Ackern zu. Aus R\u00f6ppisch mussten 3 Fr\u00f6ner 8 Tage in Gr\u00e4fenwarth ackern und in Handfron jeweils 2 Tage m\u00e4hen, heuen und Hafer hauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Kloster geh\u00f6rte ein kleines Weingut in Beutnitz (zwischen Jena und Apolda). Jedes Jahr mussten die zwei Klosterbauern aus Volkmannsdorf dort den Wein holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Waldnutzung umfasste Bauholz, Schindelholz, Brennholz und die Gewinnung von Harz, Pech und Holzkohle. Gegen Geb\u00fchr konnte Leseholz geholt und Waldweide betrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bier wurde selbst gebraut und war das Alltagsgetr\u00e4nk f\u00fcr Jung und Alt. Dabei war \u201eKoffendt\u201c, ein 2. Aufguss der Trebern, f\u00fcr die Niederen und Armen gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trotzdem bleibt der \u201eZehnt\u201c der Klosterbauern die wichtigste Einnahme.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1325 hatten die V\u00f6gte und ihre Vasallen rund 40 Zinsbauern gestiftet. Im Laufe der Zeit kamen weitere hinzu. Neben den oben genannten Fronen waren 1531 zu liefern:            150 Gulden zu zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kamen: 88 Schock Korn, 16 \u00bd Schock Weizen, 57 Schock Gerste, 33 Schock Hafer, drei Fuder Erbsen, 7 Schock \u201eHeidekorn\u201c ?, 6 Fuder Wicken und 250 Risten Flachs. (Mit Schock sind 60 Garben gemeint; Schock und Fuder deuten an, dass diese Mengen vom Feld weg geliefert werden konnten und das Klostergut selbst drosch.)<\/p>\n\n\n\n<p>231 H\u00fchner, 618 Eier, 280 K\u00e4se, 12 \u00bd Pfund Wachs u.a.m.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geldgesch\u00e4fte, Schreibarbeiten f\u00fcr Andere und die Geb\u00fchr, die der Sohn eines Bauern beim Antritt seines Erbes zu zahlen hatte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>z.B. 1365 von Machwitz zu Gr\u00e4fenwarth borgte 600 Gulden im Kloster und zahlte daf\u00fcr 1394 noch 30 Gulden Zinsen. Insgesamt hatte der Adel h\u00e4ufig Geldsorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es au\u00dferhalb der Kl\u00f6ster kaum Schriftkundige gab, war das Erstellen von Schriftst\u00fccken eine wichtige Einnahmequelle. Schon 1365 erscheint eine Kuriosit\u00e4t im Schreibstil = \u201eschollen\u201c statt sollen oder \u201e\u00c4btischin\u201c statt \u00c4btissin u.a.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Reformation in Reu\u00df \u00e4ltere Linie 1534 wurden im Rahmen der Aufl\u00f6sung des Klosters die bisherigen Klosterbauern in R\u00f6ppisch neu aufgeteilt. Abgaben und Verpflichtungen blieben allerdings. Die H\u00f6fe 1-3 blieben vorerst dem Klostergut verpflichtet und gingen um 1590 direkt an die Herren von Gera. H\u00f6fe 6 und 7 kamen zum Rittergut Ebersdorf. Hof Nummer 8 wurde dem Pfarre in Zoppoten zugeteilt, der schon immer \u00fcber den Hof 9 verf\u00fcgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Vorteil f\u00fcr die Klosterbauern war, dass bei Lieferproblemen oder o.\u00e4. durch das Klostergut Nachsicht ge\u00fcbt wurde, allerdings nicht bei Fronarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute sind nur noch geringe Mauerreste des Klosters zu sehen, aber selbst diese lassen einen respektablen Steinbau erahnen. 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