{"id":459,"date":"2024-08-11T15:25:28","date_gmt":"2024-08-11T13:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/?p=459"},"modified":"2024-11-26T22:14:49","modified_gmt":"2024-11-26T21:14:49","slug":"auswanderung-in-die-usa-um-1850","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/auswanderung-in-die-usa-um-1850\/","title":{"rendered":"Auswanderung in die USA um 1850"},"content":{"rendered":"\n<p>Um diese Zeit verlie\u00dfen viele Deutsche ihre Heimat, auch aus unserer n\u00e4heren Umgebung. Politische oder wirtschaftliche Probleme spielten eine Rolle aber auch wie zu allen Zeiten Abenteuerlust. Dabei wurden die jungen USA ein bevorzugtes Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kamen briefliche R\u00fcckkopplungen, die die dortigen Verh\u00e4ltnissen positiv beschrieben. In der Landwirtschaft zum Beispiel wurden rund 48 ha je Farm geboten. In der Heimat dagegen waren 14 bis 15 ha \u00fcblich, dazu noch mit Feudallasten behaftet. Au\u00dferdem waren Werber unterwegs, denn die einzelnen Bundesstaaten brauchten Arbeitskr\u00e4fte und Fachleute aller Art. Das sprach sich herum und viele Leute verschiedener Altersgruppen machten sich auf den Weg. An der deutschen K\u00fcste hatte sich seit den 1840er Jahren eine regelrechte Auswandererindustrie gebildet mit Unterk\u00fcnften und B\u00fcros zur Regelung der Formalit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alleine im Fr\u00fchjahr 1852 zogen 24 Friesauer los, allerdings nicht immer erfolgreich. Etliche waren zur Kirmes oder zu Weihnachten wieder daheim. Teilweise waren die Ersparnisse bereits in Hamburg oder Bremen aufgebraucht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Einwanderer gibt es in den USA eine gute Quellenlage; eine Zentrale daf\u00fcr existiert noch heute in Chicago. Allerdings erscheinen die deutschen Namen oft stark ver\u00e4ndert (zum Beispiel aus Pasold wird Besold). Auch mit den kleinen Reu\u00dfenstaaten als Herkunftsland wei\u00df man dort nichts anzufangen. Daher laufen die Auswanderer unserer Gegend unter Sachsen oder Preu\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beispiel des Christian Pasold aus R\u00f6ppisch (Nr. 43), gelegen in Reu\u00df \u00c4lterer Linie, soll hier ein realer Auswanderungsverlauf geschildert werden. Er war der \u00e4lteste Sohn (geb. 1827) des Bauern Carl Pasold. Christian Pasold hatte in der Retzschm\u00fchle bei R\u00f6ppisch gelernt und dort gearbeitet. Hier wurde nicht nur Korn gemahlen sondern auch Holz geschnitten wenn das Wasser dazu reichte. Durch den Publikumsverkehr in der Retzschm\u00fchle flossen Informationen aller Art, sicherlich auch \u00fcber Auswanderer. Von Vater Carl aus sollte er eine eigene Bauernwirtschaft in R\u00f6ppisch (Nr. 44) \u00fcbernehmen, aber er lehnte ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"448\" height=\"238\" src=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Retschmuehle-um-1930.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-155\" srcset=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Retschmuehle-um-1930.jpg 448w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Retschmuehle-um-1930-300x159.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Retschm\u00fchle<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Sommer 1852 begann Christian Pasold ohne Erlaubnis seiner Regierung in Greiz die Ausreise nach Amerika. Damals befand sich der n\u00e4chstgelegene Bahnhof in Altenburg. Von dort aus ging es nach Hamburg. Am 05.August bestieg er das amerikanische Segelschiff \u201ePumpgustuk\u201c unter Kapit\u00e4n Webster. Insgesamt waren 209 Passagiere an Bord. Am 16. September kam das Schiff in New York an. Es gab unterwegs einige Tote \u2013 \u201edied on board\u201c. Mit ihm reisten noch eine Familie aus R\u00f6ppisch und eine aus Remptendorf. Diese waren alle miteinander verwandt.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie Andreas Meisgeyer (48 Jahre\/ \u201eLandmann\u201c) aus R\u00f6ppisch Nr. 28 mit Ehefrau und 6 Kindern. Er hatte zuvor Haus und Hof verkauft. W\u00e4hrend der \u00dcberfahrt verstarben zwei Kinder und ein Kind kurz nach der Ankunft in New York. Vater Andreas selbst verstarb noch 1852 am Bestimmungsort im Bundesstaat Ohio. Die Witwe mit ihren Kindern (15, 11 u. 9 Jahre) betrieb dann dort eine Farm.<\/p>\n\n\n\n<p>Familie Carl Bohn (36 Jahre\/ \u201e Landmann\u201c) aus Remptendorf wanderte ebenfalls mit Ehefrau und 6 Kindern aus. Diese Familie verlor ein Kind bei der \u00dcberfahrt. Sie betrieben nach der Ankunft im Cuyahoga County im Bundesstaat Ohio auch eine Farm. Um 1866 verstarb die Ehefrau. Anfang 1870 kehrte Bohn kurzzeitig in die alte Heimat zur\u00fcck. Die Reise erfolgte bereits mit einem Dampfschiff und dauerte nur 14 Tage. Er holte Caroline Pasold (25) aus R\u00f6ppisch, die j\u00fcngste Schwester des o.g. Christian zwecks Eheschlie\u00dfung ab. Die Hochzeit war am 10.April 1870 in der neuen Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu Christian Pasold:<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Station des Christian ist Olmsted Falls im County (Kreis) Cuyahoga bei Cleveland\/ Ohio. Hier arbeitete er in einem S\u00e4gewerk und wurde bald Maschinist. Dieses Metier war ihm aus der Heimat bekannt. Die USA waren zu dieser Zeit voll im Aufbau begriffen und es wurde viel Holz gebraucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"824\" height=\"527\" src=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Cleveland.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-486\" style=\"width:674px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Cleveland.png 824w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Cleveland-300x192.png 300w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Cleveland-768x491.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Olmsted Falls (Ohiao)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 30.10.1860 erfolgte seine Einb\u00fcrgerung in die USA bei einem Festakt in der Stadt Cleveland. Als Herkunft ist hier \u201eSaxony\u201c vermerkt. Im Juni 1863 wurde er in die Armee der Nordstaaten einberufen. Der B\u00fcrgerkrieg war im vollen Gange. Christian diente im 24. Ohio Infantry-Regiment, H\u2011Kompanie und sp\u00e4ter in der 12. Batterie. Er wurde verwundet und nach 19 Monaten im Jahre 1865 entlassen. Danach erhielt er eine Invalidenrente Er arbeitete dann weiter im S\u00e4gewerk, wo er inzwischen Miteigner war. Auch wurden die Auswanderer noch Zeugen der letzten K\u00e4mpfe mit den Indianern. Im Jahr 1867 erfolgte die offizielle Entlassung des Christian Pasold aus der Reu\u00dfischen Staatsb\u00fcrgerschaft mit der sonderbaren Auflage, dass er unter anderem die n\u00e4chsten 12 Monate nicht in einen Krieg gegen die Reu\u00dfen ziehen darf. Diese Formalie erledigte das Preu\u00dfische Konsulat in Cincinnati, das zust\u00e4ndig war f\u00fcr Ohio, Indiana und Kentucky.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gleichen Jahr verstarb sein Vater Carl in R\u00f6ppisch, der ihm laut Testament 440 Thaler als Erbteil zukommen lie\u00df. 1873 heiratete er Agrippina Peter, die mit ihren Eltern und sieben Geschwistern 1854 ebenfalls aus Deutschland (Pfalz) gekommen war. 1875 wurde die erste Tochter (Berta) geboren. Mit der Zeit konnte Christian die harten Winter in Ohio gesundheitlich nicht mehr vertragen. Er ver\u00e4u\u00dferte seinen Besitz und zog nach Kalifornien. Die Eisenbahn verkehrte bereits. Die Familie siedelte sich im St\u00e4dtchen Oxnard, County Santa Barbara bei Los Angeles an und z\u00e4hlte damals zur Pionier- Generation.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"530\" src=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Oxnard.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-487\" srcset=\"https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Oxnard.png 817w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Oxnard-300x195.png 300w, https:\/\/www.roeppisch.com\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Oxnard-768x498.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Oxnard (Kalifornien)<\/p>\n\n\n\n<p>Beruflich besch\u00e4ftigte er sich wieder in der Holzbranche. 1885 wurde die Tochter Mary\u2011Ann geboren. Christian Pasold starb im Jahr 1896, seine Invalidenrente ging an die Witwe Agrippina \u00fcber. F\u00fcr das Jahr 1916 wurden Aktien in H\u00f6he von 4000 $ erw\u00e4hnt. Die Witwe Agrippina starb 1921 nach l\u00e4ngerer Krankheit in einem Sanatorium in San Bernardino bei Los Angeles. In der \u00f6rtlichen Zeitung \u201e Oxnard Daily News\u201c erschien dar\u00fcber ein w\u00fcrdigender Beitrag.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber all die Jahre gab es briefliche Kontakte; anfangs \u00fcber Christian und sp\u00e4ter \u00fcber seine Tochter Mary\u2011 Ann zum ehemaligen Elternhaus in R\u00f6ppisch. Mary\u2011Ann fungierte auch als Testamentsvollstreckerin des Vaters noch vor ihrem eigenen Tod 1938. Der Rechtsweg dauerte seine Zeit. Es standen 3.800 $ Erbe zur Verf\u00fcgung. Davon ging ein Viertel an zwei Erben in den USA. Der gro\u00dfe Rest ging an die Nichten und Neffen in der alten Heimat. Nach Abzug aller Unkosten kamen entsprechend dem Schreiben eines Rechtsanwaltes aus Magdeburg vom 19.10.1940 jeweils 282,02 RM an. Dollar sah nat\u00fcrlich keiner.<\/p>\n\n\n\n<p>Beg\u00fcnstigte waren:<\/p>\n\n\n\n<p>Walter&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pasold&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; R\u00f6ppisch Nr. 30<\/p>\n\n\n\n<p>Lina&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wohlfarth&nbsp;&nbsp;&nbsp; Thimmendorf<\/p>\n\n\n\n<p>Pauline &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zschirner&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Thimmendorf<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pasold&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; R\u00f6ppisch Nr. 23<\/p>\n\n\n\n<p>Anna &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Oelsner&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; R\u00f6ppisch Nr. 43 ( Elternhaus)<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pasold&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Oettersdorf<\/p>\n\n\n\n<p>Danach rissen die Verbindungen ab, eventuell auch durch den Eintritt der USA in den Krieg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um diese Zeit verlie\u00dfen viele Deutsche ihre Heimat, auch aus unserer n\u00e4heren Umgebung. 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