Hohndorf

Von Hohndorf blieb nur der Name eines Flurteiles in der Gemarkung Röppisch. Ein Großteil der ehemaligen Feldflur ist längst wieder bewaldet, aber die Feldraine sind noch deutlich zu sehen. Die Flächen gehören heute zumeist Bürgern von Röppisch und Pöritzsch. In diesem Flurteil liegt am äußersten Ende noch das Bodendenkmal „Altes Schloss“.

„Altes Schloss“ und Hohndorf haben aber offensichtlich weder zeitlich noch räumlich zusammengehört ( siehe Anlage „Altes Schloss“). Feudalrechtlich hatte das Rittergut Pöritzsch das Sagen über die dortigen Flächen.

Einzige Nachrichten zu Hohndorf:

1325      In Raila wird ein Zinsbauer Heinrich von Hohndorf genannt.

1501      Von Draxdorf auf Pöritzsch wird mit der Wüstung Hohndorf belehnt.

1505      Von Draxdorf „verkauft 3 Güther“ von Hohndorf;

1559      Heinrich VII (Reuß) belehnt die Brüder Christoph und Karl von Draxdorf mit Hohndorf; diesmal ausdrücklich als Wüstung bezeichnet.

In den Klosterannalen wird der Begriff Hohndorf nur noch als Flurbezeichnung verwendet.

    1755       werden im Zinsregister Aussagen zur Fläche gemacht (umger. in ha):

-Flurteil Hohndorf gesamt                217 ha

-davon Adel und Kirche                        91 ha “Ebersdorfer Holz“ und „Kästlerleithe“

Für den Ort Hohndorf verblieben demnach 126 ha (Feld, Wiese, Holz).

   1792       nennt eine Saalburger Flurkarte im Hohndorf umgerechnet 50 ha, die von Röppisch aus landwirtschaftlich genutzt wurden. „…  Koppeltrift und in sich haltenden Acker, 151 3/8 Acker 12 Ruthen 4 Fuß, welches nach Röppisch gehört“.

Die übrigen Flächen waren nach der beiliegenden Karte bereits wieder bewaldet.

    2002       wurden gerade noch 28 ha landwirtschaftlich genutzt.

Beim Gedanken an ein solches Dorf sollte man romantische Vorstellungen von einer idyllischen Streusiedlung im Wald vergessen. Ein Dorf brauchte neben Wasser vor allem genug Platz für die Hofstellen (Wohnhaus, Stall, Scheune und Garten) sowie genügend Nutzflächen, denn die Hektarerträge lagen nur bei  5 dt. Getreide – echt ökologischer Landbau! (heute bis 50 dt).

Davon mussten die Familie (7-9 Personen) leben und die Abgaben gebracht werden. Damit hätte der Ort 60 bis 70 Einwohner gehabt. Für Handwerk und Gewerbe war der Ort offensichtlich zu klein.

Die feudale Aufsiedlung folgte eigenen Zwängen und Regeln. Die Endung ….dorf und die geographische Nähe zum deutschen Altsiedelland deuten auf eine planmäßige Anlage im 12. Jahrhundert hin. Schon im Jahre 1109 forderte der für die Gegend zuständige Bischof von Naumburg (Mark Zeitz) Siedler aus Franken an. Er bot außer der Hofstelle noch rd. 14 ha Land.

Die wesentlichsten Ursachen für das Wüstwerden von Hohndorf kommen im folgenden Bericht zum Ausdruck:

Im Jahre 1616 erfolgte eine Teilung unter den Reußen. Reuß Ä. L. erhält u.a. Zoppoten und Röppisch mit dem Großteil der Flächen der Wüstung Hohndorf.

Ein Fachmann, Theodor Ludwig, soll prüfen, ob sich das Hohndorf besser verwerten ließe. Man denkt an ein Vorwerk, zu betreiben mit zwei Paar Ochsen und zwei Knechten. Standort sollte offensichtlich die alte Stelle der Wüstung Hohndorf in der heutigen „Beerleit“ werden.

Bericht vom 5. April 1617:

Ludwig hatte die Gutspächter von Zoppoten und Pöritzsch sowie die Ältesten von Röppisch befragt. Hier der verkürzte Bericht dem heutigen Sprachgebrauch angepasst.

  1. Der Aufbau wird statt 500 etwa 1000 Taler kosten. Die 400 Stämme Bauholz müssten aus dem Wald bei Zoppoten für Lohn geholt werden, da kurz zuvor die Bauern von Röppisch ihre Fron gegen Geld abgelöst hatten. Das Holz der Reuß Ä.L. in Hohndorf war nach einem Windbruch „abgehieben“ und als „Schwemmholz“ (Flöße) verkauft worden.  
  2. Grund und Boden sind schlecht = „grießig“ (steinig?), bei Nässe ersäuft  und bei Dürre verbrennt alles. Eine Besserung könne 6-8 Jahre dauern. Benachbarte Bauern lassen ihre Felder 2-3 Jahre brach liegen und können dann nur Korn (Roggen) oder Hafer anbauen; Gerste oder gar Weizen tragen die Felder nicht.
  3. Benötigt werden drei Paar Ochsen mit drei Knechten, die für weniger als 100 Taler pro Jahr kaum zu halten wären.
  4. Es gibt zu wenig „Wieswachs“; Heu müsste zugekauft werden.
  5. Ein großes Problem wäre das Wasser; es ist nicht nachhaltig. Gleich „vorn im Anfang“ gebe es welches, aber es müsste mit Röhren herangeschafft werden. Ohne die Röhren koste der Röhrenmeister mindestens vier Taler.

Offensichtlich war durch die Rodung im 12.Jahrh. der Grundwasserspiegel abgesunken und die Zeit zur Humusbildung hatte nicht ausgereicht.

Vermutlich waren daher 1325 trotz unmittelbarer Nachbarschaft keine brauchbaren Höfe für eine Stiftung an das Kloster vorhanden.

Insgesamt rät Ludwig vom Plan des Vorwerkes ab, da die Reußen ihre Gelder nicht wiedersehen würden. Schließlich wurde eine Mühle bei Zoppoten errichtet, da diese nach Ansicht des Ludwig mehr einbrächte.

Bestätigungsbrief  des Bischofs von Naumburg von 1447

„ Zu dem Remptendorfisch Vicariat  und Einkommen sind vermöge des Bischofen von Naumburg am 20. April 1447 darüber gegebene Bestätigungsbrief gewidmet worden“:

Erstlichen  im Dorfe Pöritzsch an Geld-Zinsen: 7 aßo von Thomas von Draxdorf, die er aus seinem Gut gewilligt. Es folgen 8 Untertanen von ihm offensichtlich aus der späteren Wüstung Hohndorf.

  1. 2          aßo                 durch Hans     Schmied
  2. 1          aßo                 durch Jobst    Pasold
  3. 2          aßo                 durch Veit      Hempel
  4. 2          aßo                 durch Hans     Türolf
  5. 1,5       aßo                 durch Heinz    Escher
  6. 1,5       aßo                 durch Hans     Hempel
  7. 1,5       aßo                 durch Klaus    Top ?
  8. 2          aßo                 durch N.         Sieber

(aßo: später Gulden bzw. Thaler)

Zu Remptendorf an Geld- Zinsen:

 4,5 aßo  Conradt von Machwitz jährlich aus seinen Gütern.  Dazu etzliche Äcker und eine Behausung auch durch Conradt von Machwitz, letztlichen eine Wiese und Gehölze ufn Rödern gelegen von Hans Krauß.

Und damit nun diese Stiftung ganz frei und von manniglichen unbeschwert bleiben möchte. So sind durch derselben fundators (Stifter) dem Pfarrherrn zu Friesau Herrn Johanni und allen seinen successoren (Nachfolger) Remptendorf vor ihr Interesse 10 aßo gezahlet worden, dergestalt, das er forthin wegen gemelten Altars zu Remptendorf, der zu seiner Parochie ufgerichtet, nichts weiter zu fordern noch zu gewarten habe. Doch soll der  Altarist zu Remptendorf dem Pfarrherrn zu Friesau in Ausstandung der heiligen sacramentes ufn Notfall beizuspringen, das gereichen an den Kestenn und processiona (Umzüge) sofern er nicht aus erheblichen Ursachen verhindert wird, mit ihm in den Chorstock zu gehen, schuldig sein .“           Anmerkung:    Dieses Schreiben selbst wurde erst 1601 neu aufgenommen und ist  so erhalten geblieben.